Kurzweiliger Horrorthriller aus Spanien, dessen dürftige Kino-Auswertung, auch gerade in Deutschland, einen größeren Erfolg versagte. Trotzdem ist diese kleine europäische Produktion, welche in ihrer Machart natürlich an „Blair Witch Project“ erinnert, streckenweise ein gelungener Bastard, dessen Schockmomente sitzen, und welcher gerade in der letzten viertel Stunde funktionierenden Thrill bietet.
Ein Kamerateam begleitet die FireBomber und will so dem Zuschauer, Leben und Alltag auf einer Feuerwache, näher bringen. Interviews, sportliche Aktivitäten und Mahlzeiten langweilen allerdings auf Dauer. Also will die Reporterin mehr Action und macht auch gar kein Hehl daraus endlich einen realen Einsatz zu erleben und zu begleiten. Dieser lässt natürlich nicht lange auf sich warten. Ein Wohnhaus, kein Brand und eine Wohnungstür die aufgebrochen werden soll sorgen für Aufruhr. Die Tür stellt kein Problem dar, eher die Oma dahinter, die sich tollwütig auf einen der Männer stürzt und diesen beißt. Der Notversorgte soll schnell raus gebracht werden und so stürmen die Retter dem Ausgang entgegen. Doch stehen sie plötzlich vor verschlossenen, ja ganz und gar versiegelten, Türen und erfahren dass sie das Gebäude nicht verlassen dürfen. Verwunderung, Verwirrung, Angst und Zorn machen sich unter den Feuerwehrmännern, Polizisten, dem Kamerateam und den noch anwesenden Bewohnern des Hauses breit. Absonderliches Geschrei aus einer der oberen Wohnungen und die Involvierung eines Beamten der Gesundheitsbehörde (komplett im Schutzanzug) sorgen da nicht gerade für Erleichterung unter den Protagonisten. Noch während die Anwesenden über ihre Situation aufgeklärt werden eskaliert das Szenario und ihr Gefängnis verwandelt sich in die Hölle.
Ganz klar ist von beginn an, hier stand „Blair Witch Project“ Pate. Pseudo-Doku-Style, Horror und ein Haufen nichts ahnender Figuren, begleitet von einer Wackelkamera. Der interessante Einstieg gefällt grundsätzlich, fällt auf diese Art der vermeintliche Horror nicht sofort mit der Tür ins Haus. Die Macher kreieren das Grauen langsam aber stetig. Die vielen Figuren werden kurz und oberflächlich vorgestellt und bieten eine breit gefächerte Palette an Charakteren. Dann beginnt auch schon der Horror. Oder Terror? Irgendwie eine Mischung aus beiden. Das Tempo steigt abrupt und die Aktionen häufen sich. Dafür stagniert die Spannung und macht eher Platz für Neugierde. Gerade zu Anfang ist dies ein großes Plus, sitzt man doch genau so verstört im Sessel, wie die Betroffen im Treppenhaus stehen. Doch die Macher fanden ein solides Maß, um die ausweglose Situation immer weiter auf die Spitze zu treiben. Eine fiese Geräuschkulisse, miese Schockmomente und ein erträglicher Grad an Härte, welcher in seiner finalen Entfaltung oft auch noch der Fantasie des Zuschauers überlassen wurde, können über weite Strecken überzeugen. Wobei anzumerken wäre das der Film gerade mal 75 Minuten läuft.
Mit dem Wissen um ihre Situation tritt der Überlebenskampf der Protagonisten primär in den Vordergrund, und sein Gelingen oder Scheitern wird in den letzten 10 Minuten, vor allem atmosphärisch, tatsächlich noch einmal gesteigert. Das wir Zuschauer dabei immer durch eine Kamera schauen, scheint nicht immer realistisch, trägt aber einen großen Teil zum Gelingen bzw. Funktionieren des Filmes bei. Klar das wackelnde Bild ist wie so oft nicht unbedingt jedermanns Ding, und hin und wieder auch ein wenig unübersichtlich, doch es gibt auch kurze Pausen zum verschnaufen (Kameramann wird gezwungen des Gerät abzuschalten). Diese passieren abrupt und sind manchmal dramaturgisch unglücklich montiert, da so auch die schon sowieso flach gehaltene Spannung fast gänzlich verloren geht.
Die Figuren agieren in der Regel mit dem nötigen Überlebenswillen. Unfreiwillige Komik sucht man vergebens und auch die darstellerischen Leistungen sind hervorragend. Was bleibt sind eine Plottechnisch zu abgefahrene Aufklärung des Ganzen, ein offenes Ende und das Gefühl die letzten 10 Minuten hätten ruhig eine halbe Stunden lang dauern sollen. Dann wäre der Film, aufgrund der lang anhaltenden Intensität aus Thrill und Terror, wahrscheinlich ein Hammer geworden.
Die offizielle Fortsetzung (beginnt kurz nach Ende des Erstlings, nur das diesmal, ganz im Geiste von Camerons ALIENS, ein SWAT-Team reingeschickt wird) wurde bereits abgedreht und läuft auch schon in Spanien. Gleiches Prinzip, und unter den Kriterien einer Fortsetzung, bietet [Rec]2 hoffentlich von allem noch mehr. Ich freu mich!
7/10